Freitag, 4. September 2009
Astorga
Ich habs tatsaechlich geschafft bis Astorga.
Ich wohne in einer Herberge direkt neben der Kathedrale. Der heutige lange Weg war doch ganz schoen anstrengend. Meine beiden Oesterreicher wollten heute mittag noch etwas essen gehen. Ich hatte Angst, dass ich dann aus meinem "Tritt herauskomme" und bin dann vorgegangen. Aber morgen gehen wir wieder gemeinsam. Ich entschied mich heute wieder fuer eine empfohlene Alternativroute, die aber auch zum Camino gehoert. Die andere Route fuehrte stundenlang an der Nationalstrasse entlang. Der Alternativweg fuehrte mich abseits jeder Zivisilation entlang, ich war stundenweise ganz alleine, manchmal schon ein komisches Gefuehl. Und immer bergauf - bergab. Aber die Landschaft war klasse. Und der Weg zog sich endlos dahin. Und wie das so ist: "Immer wenn du denkst, es geht nicht mehr, dann kommt irgendwo ein Lichtlein her".
Ploetzlich auf einem Huegel stand ein junges spanisches Paar und hatte einen Stand aufgebaut mit Wasser, selbstgemachter Zitronenlimonade, selbstgebackenem Kuchen, Melonen, Bananen, Aepfeln usw. Nur fuer die ausgelauchten vorbeikommenden Pilger. Und es kostete nichts, es stand nur ein Spendentopf da, in den man ja selbstverstaendlich etwas hineingab.
Solche kleinen Gesten ueberraschen mich immer wieder.
Morgen wird die Etappe wieder etwas kuerzer - so 30 km finde ich fuer mich persoenlich etwas viel, schliesslich hat man ja auch den schweren Rucksack auf dem Ruecken. Aber hier in dieser Herberge gibt es ein Solebecken fuer die mueden Fuesse. Es hat sehr gut getan.
So, das waren die News fuer heute. Ich bin noch guter Dinge und habe auch noch keine Gebrechen mit meinen Knochen und auch noch keine einzige Blase.
Mit Werner telefoniere ich taeglich mehrmals, er ist ganz traurig, dass er nicht mehr dabei sein kann. Das kann ich gut verstehen.
Und Albert: Und heute abend goenne ich mir wieder einen schoenen Salat - und dazu ein Glaeschen des roten Weines!!!!!
Und die Jungclaeuse begruesse ich recht herzlich wieder in der Heimat.
Liebe Gruesse
von Elke

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Donnerstag, 3. September 2009
Boadilla - Leon - Villar de Mazarife
Nun muss i c h mich aber wirklich mal wieder melden. Ja, ihr habt richtig gelesen: Ich spreche in der Einzahl!!!!
Werner ist heute auf dem Rueckflug nach Hause. Die drei letzten Tage waren eine sehr emotionale Erfahrung dieses Weges. Mit Werners Knie wurde es immer schlechter anstatt besser. Wir haben lange hin und her ueberlegt und Strategien entwickelt, wie er den Weg doch noch ohne Gepaeck und teilweise per Bus bewaeltigt, aber dann waren wir uns einig: Es ist einfach besser, er bricht ab und ich laufe weiter. Wir sind dann mit Nicole aus Dresden (die mit den schlimmen Blutblasen an den Fuessen) mit dem Zug nach Leon gefahren. Sie muss jetzt die naechsten drei Tage in der Klosterherberge in Leon verbringen und hofft, dann weiterzukoennen.
Es war eine traenenreiche Zugfahrt mit uns dreien.
Aber nun ist es so, Werner hat einige wunderschoene Wandertage erlebt und wird dieses tolle Erlebnis und die Erfahrungen mit nach Hause nehmen.
Ich habe gestern abend in der Herberge viele interessante Gespraeche mit anderen Pilgern vor der Herberge gefuehrt. Eine Frau musste im Juni abbrechen, weil sie 16 Blasen am linken Fuss hatte - und beginnt den Weg nun da, wo sie aufgehoert hatte.
Ich hatte mich entschieden, fuer die heutige Etappe nach Mazarife eine empfohlene und viel schoenere Alternativroute zu gehen, spontan fragten mich Loretta und Richard aus Salzburg, ob wir diese nicht zusammengehen wollen. Ich habe natuerlich gleich zugesagt und wir drei sind heute wieder durch eine landschaftlich beeindruckende Hochebene gegangen. Loretta und ich hatten das selbe Tempo, so dass das super klappte. Beide sind Leute, die sich nicht immer pausenlos unterhalten muessen. Man konnte den Weg so richtig geniessen. Das Witzige ist, dass die beiden auch am 21.9. von Santiago zurueckfliegen.
Morgen wollen wir nach Astorga, es sind allerdings 33 km. Es ist eigentlich zu viel, aber schaun mer mal!
Ich habe auf diesem Weg die Erkenntnis gewonnen, dass eigentlich nur der "Weg das Ziel" ist. Er bringt so tolle menschliche Erfahrungen mit sich, dass es kaum zu beschreiben ist.
Und wenn ich weiterhin so fein beschwerdefrei bleibe , dann werde ich es bis Santiago schaffen, wenn nicht, dann werde ich den Rest beim naechsten Mal machen. Aber ich bin recht guter Dinge, dass ich es schaffe. Das Problem bei den meisten ist nicht die Anstrengung, sondern es sind die Gelenke und die Fussblasen.
Und letztendlich muss ich doch fuer Werner seinen Stein, den er von zu Hause mitgebracht hat, zusammen mit meinem auf dem Cruz de Ferro niederlegen, so wie es seit dem Mittelalter alle Pilger symboltraechtig tun.
Ach so, Wetter haben wir ja auch noch, naemlich so ca. 23 Grad, etwas Wind und wolkenlosen Himmel. Gerade passend zum Wandern.
Bis zum naechsten Mal.
Buen camino
Elke

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Montag, 31. August 2009
Boadilla de Camino
Hallo,
heute sind wir Boadilla gekommen, ca. 22 km.
Es lief anfangs ganz toll, nur auf den letzten 5 km bekam Werner massive Schmerzen im Knie.
Ihm wurden vom Arzt 2 - 3 Tage Ruhe verordnet.
So werden wir also Plan B angehen: Werner faehrt fuer diese Tage mit dem Bus, Elke geht zu Fuss.
Aber diese Moeglichkeit hatten wir vorher schon besprochen - und nun ist es so.
Wir sind heute abend in einer Herberge - Leute das ist Luxus pur!!!! Mit Swimmingpool und englischem Garten - 5 Sterne. Und wir haben unsere Pilgerfreunde von den anderen Herbergen auch wieder hier. Nicole aus Dresden hat vom Arzt auch 3 Tage Pilgerverbot - wegen Blutblase unten am Fuss!
Elke hat (noch) gar keine Zipperlein - aber das kann ja noch kommen.
Die Landschaft heute war sehr beeindruckend: Der zu Ende gehende Sommer hat alles in die verschiedensten Oker- und Gelbtoene gefaerbt. Aber ziemlich heiss war es heute - so gefuehlte 100 Grad stellenweise. Aber dann kam etwas Wind auf - und es liess sich ertragen.
Und die Gemeinschaft hier untereinander ist klasse.
Die vergangene Nacht mit ueber 30 Leuten im Raum war auch interessant: Nachts fiel ein Superschnarcher auf - und es entstand ein kollektiver Scharcheraufwachversuch. Der eine schnalzte mit der Zunge, der andere klaschte in die Haende - alle Schnarchbeendigungsversionen wurden angewandt - ohne Erfolg.
Ja, so ist das auf dem Camino de Santiago!!!
Aber ansonsten sind wir guter Dinge.
Ultreia
Elke und Werner

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